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Domus Rigensis

Domus Rigensis – Der Verein

Als die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen im Jahre 1991 ihre Unabhängigkeit wiedererlangten, entstanden viele Initiativen, um die historischen Verbindungen zwischen Deutschland und dem Baltikum wieder zu beleben. Besonders die Deutschbalten, die aus Lettland und Estland stammen, pflegen intensive Kontakte zu Menschen und Institutionen in ihrer früheren Heimat. Der Verein Domus Rigensis wurde 1992 auf lettische Initiative hin von Deutschbalten und Letten in Riga gegründet.

Domus Rigensis hat heute rund 250 Mitglieder aus Deutschland und aus Lettland. Der Verein steht allen Interessierten offen. Ziel ist die Pflege des gemeinsamen kulturellen Erbes der Stadt Riga und die Begegnung von Menschen, die sich für Riga und Lettland interessieren. Der Verein verfolgt keine politischen oder wirtschaftlichen Ziele, sondern dient ausschließlich gemeinnützigen Zwecken.

Der Verein unterhält im Mentzendorff-Haus in der Altstadt von Riga ein deutschbaltisch-lettisches Zentrum, dessen Geschäftsstelle eine Drehscheibe von Kontakten zwischen Deutschen und Letten geworden ist.

Die Geschichte

Vor 25 Jahren herrschte in Riga Aufbruchstimmung. Aber die gerade überwundene Sowjetzeit war noch allenthalben zu spüren. Hinter altersgrauen, schönen Fassaden suchten wehmütige, baltische Heimatreisende die Spuren der Vergangenheit. Einige Deutschbalten hatten schon seit den 1960er und 70er Jahren intensivere Kontakte nach Lettland geknüpft. Sie sprachen noch Lettisch, trafen alte Schulkameraden, erkundeten vorsichtig die neuen Verhältnisse und verloren ihr Herz an das schöne Land ihrer Jugend. Sie begegneten kulturhistorisch interessierten Letten, die Deutsch sprachen und überrascht die anscheinend in der Geschichte versunkenen Deutschbalten als recht lebendige „Landsleute“ entdeckten. In den 1980er Jahren fanden schon erste gegenseitige Besuche und wissenschaftliche Symposien mit baltischen Experten aus verschiedenen Ländern statt. 

Neue Möglichkeiten 

Auf dem 1. Baltischen Seminar der Carl-Schirren-Gesellschaft im Jahre 1989 in Lüneburg berichtete der Rigaer Architekt Pēteris Blūms über die Restaurationsarbeiten am 300 Jahre alten Haus Mentzendorff in der Altstadt von Riga und regte an, dort ein deutschbaltisch-lettisches Begegnungszentrum einzurichten. Das war etwas Neues! Immerhin hatte es vor der Umsiedlung der deutschen Balten aus Lettland (1939) mehr gegenseitige Ressentiments als Verständnis füreinander gegeben. In der Sowjetzeit verkümmerte der bedeutende, deutsche Anteil an der baltischen Geschichte und Kultur zu einem ideologischen Feindbild oder wurde ganz verdrängt. Aber nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit der baltischen Republiken (1991) und ihrer Rückkehr nach Europa ergaben sich ungeahnte neue Möglichkeiten. 

Zur Verwirklichung der grandiosen Idee von Pēteris Blūms arbeitete ein Gründungskomitee aus fünf Letten und fünf Deutschbalten ein Konzept und eine Satzung aus. Professor Dietrich A. Loeber schlug den Namen Domus Rigensis für das geplante Zentrum vor. Am 20. Juni 1992 fand die Gründungsversammlung von „Domus Rigensis - Deutschbaltisch-Lettisches Zentrum“ in Riga statt. Ehrengäste waren der lettische Bischof Haralds Kalniņš und der deutsche Botschafter Hagen Graf Lambsdorff. 80 Letten und 30 Deutschbalten waren zusammen gekommen, um einen gemeinsamen Verein in Riga zu gründen, 65 von ihnen wurden gleich Mitglieder. Sie wählten den ersten Vorstand, der aus dem Gründungskomitee bestand. Die Gründungmitglieder waren, aus Riga: Romis Bēms, Pēteris Blūms, Sarmīte Pijola, Anita Purvina und Ojārs Spārītis, aus Deutschland: Wolf J. v. Kleist, Dietrich A. Loeber, Babette v. Sass, Woldemar Wencelides und Wolf T. Zoepf. Erster Vorsitzender wurde Pēteris Blūms, sein gleichberechtigter Stellvertreter Wolf T. Zoepf. 

Gemeinsames kulturelles Erbe 

Ziel von Domus Rigensis war und ist die Bewahrung und Pflege des gemeinsamen kulturellen Erbes der Stadt Riga, die Begegnung von Letten und Deutschbalten und die Vermittlung von Kenntnissen zur baltischen Geschichte und Kultur. Herzstück des Vereins ist die Geschäftsstelle im Haus Mentzendorff, die seit 25 Jahren von Nora Rutka geleitet wird. Hier ist eine beliebte Anlaufstelle in Riga entstanden und eine Kontaktbörse zu allem, was mit deutschbaltischen Themen in Riga und Lettland zu tun hat. Jeden Monat organisiert Nora Rutka, in Absprache mit dem Vorstand, ein kulturelles Programm mit vorwiegend deutschbaltischer Thematik für Mitglieder und Gäste im Haus Mentzendorff. Die Geschäftstelle wird durch die Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert. 

Die auswärtigen Besucher und Mitglieder erleben das Deutschbaltisch-Lettische Zentrum vor allem im Sommer und zu den jährlich stattfindenden Domus-Rigensis-Tagen, die in der Regel am ersten Juli-Wochenende mit der Mitgliederversammlung in Riga stattfinden. Bei einem anspruchsvollen Vortragsprogramm beleuchten lettische und deutschbaltische Referenten Themen aus baltischer Kunst, Musik, Politik, Architektur, Wissenschaft oder Geschichte aus unterschiedlichem Blickwinkel. Zum Kulturprogramm gehört auch ein Konzert, eine Ausstellung oder die Enthüllung einer Gedenktafel sowie die sonntägliche Andacht. Großer Beliebtheit erfreut sich der Gesellschaftsabend, der bereits in Schloss Ruhenthal und im Schwarzhäupterhaus stattgefunden hat, jetzt aber zumeist in der Kleinen Gilde mit Polonaise, Tourenwalzer und Francaise für eine ausgesprochen freundschaftliche Stimmung über alle Grenzen hinweg sorgt. 

Erinnern mit Gedenktafeln 

In den letzten 25 Jahren sind mit Beteiligung von Domus Rigensis 21 Gedenktafeln oder Gedenksteine für herausragende deutschbaltische Persönlichkeiten in Riga enthüllt worden. Zum Beispiel wird an Paul Schiemann und Werner Bergengruen erinnert und, mit dem wieder errichteten Märtyrerstein, an die 1919 ermordeten Pastoren.

Domus Rigensis ist durch seine Mitglieder in Riga gut vernetzt mit der Germanistischen Fakultät der Universität Riga, mit der Technischen Universität, der Akademie der Wissenschaften, der Kunstakademie und den Kunstmuseen, besonders auch mit dem Museum Haus Mentzendorff und dem Rigaer Museum für Stadtgeschichte und Schifffahrt sowie mit Bibliotheken und Archiven. Die Deutsche Botschaft in Riga schätzt und unterstützt die Arbeit von Domus Rigensis. Gute Beziehungen gibt es auch zum Goethe-Institut, zur deutschen Evangelischen Gemeinde in Riga und zu den Deutschen Vereinen in Lettland. In Deutschland ist die Carl-Schirren-Gesellschaft als Mitbegründerin des Deutschbaltisch-Lettischen Zentrums ein enger Partner. Seit 2009 gehört Domus Rigensis zu den assoziierten Organisationen der Deutsch-Baltischen Gesellschaft. Gute Kontakte pflegt Domus Rigensis zum Verband der Baltischen Ritterschaften und zur Baltischen Historischen Kommission. 

Infobrief und Jugendreferat 

Die wunderbaren Möglichkeiten des Internets haben die Kommunikation über die großen Entfernungen hinweg erleichtert. Mehrmals im Jahr erhalten Mitglieder und Freunde von Domus Rigensis per E-Mail einen Infobrief mit Terminen, Informationen, Fotos und Berichten über die Veranstaltungen in Riga. Besonders erfreulich ist das Interesse der Jugend. Auf Initiative von lettischen Jugendlichen ist für Mitglieder unter 30 Jahren Domus Rigensis Juvenum offiziell zum Jugendreferat des Deutschbaltisch-Lettischen Zentrums ernannt worden. Seit Silvester 2011 haben jährlich mit großem Erfolg Juvenum-Tage in Zusammenarbeit mit dem Deutschbaltischen Jugend- und Studentenring e.V. stattgefunden und sind zu einer Tradition geworden.

Riga ist immer eine Reise wert.

Herzlich willkommen bei Domus Rigensis!

Monika v. Hirschheydt (aktualisiert und leicht gekürzt aus: BALTISCHE BRIEFE Nr. 3/4 (761/762) – März/April 2012)